Mit rund 6.000 Wohnungen gehört die Wohnbau Dinslaken GmbH zu den größeren Akteuren der kommunalen Wohnungswirtschaft am Niederrhein. Seit mehreren Jahren treibt die Gesellschaft die Dekarbonisierung ihres Gebäudebestands voran und setzt dabei auf eine langfristige Strategie, die Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung miteinander verbindet.
Nachdem die ersten gemeinsamen Projekte mit einhundert bereits vor zwei Jahren erfolgreich umgesetzt wurden, haben beide Unternehmen nun eine langfristige Partnerschaft geschlossen. Ziel ist die schrittweise Dekarbonisierung des gesamten Portfolios. einhundert investiert dafür bis zu 6 Millionen Euro in den Ausbau von Photovoltaik, Mieterstrom und perspektivisch auch in Batteriespeicher.
Im Rahmen unserer Interviewreihe „Gestalter:innen der klimaneutralen Wohnungswirtschaft“ sprechen wir mit Petra Eggert-Höfel, Geschäftsführerin der Wohnbau Dinslaken GmbH, über die strategische Bedeutung der Energiewende für kommunale Wohnungsunternehmen, den Weg zur Klimaneutralität und die Verantwortung gegenüber den Mieter:innen.
Frau Eggert-Höfel, die Dekarbonisierung des Gebäudebestands zählt zu den größten Herausforderungen der Wohnungswirtschaft. Welche Verantwortung sehen Sie für die Wohnbau Dinslaken in diesem Transformationsprozess?
Unsere Verantwortung als kommunales Wohnungsunternehmen liegt vor allem darin, Klimaneutralität zu erreichen und die Bezahlbarkeit der Wohnungen für unsere Mieter:innen zu erhalten. Die Kosten für die energetische Modernisierung tragen zu einem Großteil die Mietenden und die Erfahrung zeigt, dass die erhoffte Warmmietenneutralität nicht erreicht wird. Wir müssen also andere Wege gehen, um diese Kostensteigerungen zu kompensieren, um Mieterhaushalte nicht über Gebühr zu belasten. Eine so deutliche Einsparung wie bei der Nutzung von Strom aus den PV-Anlagen ist deshalb eine sehr wichtige Unterstützung, um Klimaziele zu erreichen und Bezahlbarkeit zu erhalten.
Welche langfristigen Klima- und Nachhaltigkeitsziele verfolgen Sie für Ihren Bestand? Was bedeutet Klimaneutralität für ein kommunales Wohnungsunternehmen ganz konkret?
Unser Gebäudebestand muss bis 2045 klimaneutral sein. Das ist eine Tatsache, die wir unabhängig von gesetzlichen Veränderungen weiter verfolgen werden. Zum einen, um unseren Mietenden einen guten, modernen Wohnkomfort zu ermöglichen, und zum anderen, um unserer zivilgesellschaftlichen Verantwortung zum Klimaschutz sowie zum nachhaltigen Handeln zu entsprechen. Durch den hohen Anteil an mit Fernwärme versorgten Beständen, das sind bei uns über 95 Prozent, liegen wir heute schon deutlich unter dem Durchschnitt anderer Wohnungsunternehmen. Mit einem klimabereinigten CO₂-Ausstoß von rund 13 kg/qm sind wir gar nicht mehr so weit vom Zielwert 5 kg/qm entfernt und dennoch sind dazu enorme Aufwendungen in den nächsten Jahren zu tätigen.
Hinzu kommt, dass natürlich auch klimaneutrale Fernwärme von den Mieter:innen bezahlt werden muss. Den Verbrauch mit baulichen und zunehmend auch mit technischen Lösungen dauerhaft zu senken, um Verbrauchskosten zu sparen und Wärme nicht unnötig zu verschwenden – selbst wenn sie klimaneutral ist – ist deshalb eine wesentliche Aufgabe für uns.
Die ersten gemeinsamen Projekte mit einhundert sind bereits vor zwei Jahren gestartet. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gesammelt? Was hat Sie dazu bewogen, nun den nächsten Schritt zu gehen und die Dekarbonisierung des gesamten Portfolios anzugehen?
In der Pilotphase haben wir Erfahrungen mit der Zusammenarbeit, mit der Umsetzung und auch dem Impact für unsere Mieter:innen sammeln können. Wir konnten Rahmenbedingungen testen und auch unsere Mitarbeitenden mit dem Thema Mieterstrom vertrauter machen. In einer internen Evaluation des Pilotprojektes haben die unterschiedlichen Fachbereiche unseres Hauses mitgeteilt, dass es auf allen Ebenen funktioniert und dieses Projekt ein wertvoller Bestandteil unserer Klimastrategie werden könnte. So war dann der Schritt zum Roll-out nur logisch.
Photovoltaik und Mieterstrom sind bereits fester Bestandteil Ihrer Strategie. Welche Rolle werden Batteriespeicher und Wärmepumpen künftig spielen?
Wir werden vornehmlich Wärmepumpen dort ergänzen, wo in absehbarer Zeit keine Fernwärmeversorgung zur Verfügung steht, es ist aktuell für uns die einzige sinnvolle, nachhaltige Alternative. Dass jetzt die Förderung wieder auf der Kippe steht, ist mehr als bedauerlich, denn damit wird erneut die Planbarkeit von Investitionen erschwert oder sogar verhindert. Letztendlich verschieben sich dadurch die Klimaziele und die Kosten für die Nutzer:innen steigen weiter. Das ist kontraproduktiv.
Batteriespeicher werden für uns sicher zunehmend an Bedeutung gewinnen, weil sie den grünen Strom aus den PV-Anlagen noch besser nutzbar machen. Der überschüssige Strom, der tagsüber produziert wurde, kann dann abends und nachts verbraucht werden, z. B. um E-Fahrzeuge zu laden. Dies ist sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich von hohem Nutzen und trägt zu größerer Unabhängigkeit und Nutzbarkeit von Solarstrom bei. Hier liegen sicher noch weitere, enorme Potenziale für unsere Wohnquartiere.
Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Mieter:innen unmittelbar von günstigerem und lokal erzeugtem Solarstrom profitieren können? Wie nehmen Sie die Energiewende im Quartier wahr?
Ich bin mir sehr sicher, dass der günstigere Strompreis der Türöffner ist. Das ist verständlicherweise der wesentliche Anreiz zum Anbieterwechsel für den überwiegenden Teil unserer Mieter:innen. Dass man dazu dann auch noch etwas Gutes für die Umwelt und den Klimaschutz tut, ist die Kirsche auf der Sahnetorte. Was viele zunächst gar nicht realisieren, ist, dass es durch die Mieterstrommodelle als Bewohner:in eines Mehrfamilienhauses viel einfacher ist, grünen Strom zu bekommen als im Wohneigentum. Durch die große Anzahl an Nutzer:innen im Quartier haben wir dann auch sehr schnell messbare Erfolge. So ist unser Pilotprojekt in der Hugo-Mueller-Straße in Voerde nach der Modernisierung und Inbetriebnahme der PV-Anlage rechnerisch klimaneutral. Die durch den grünen Strom eingesparte Menge an CO₂ ist größer als der CO₂-Anteil der genutzten Fernwärme. Und das bereits bei einer Anschlussquote von rund 60 Prozent.
Dass also sogar noch mehr möglich ist, ohne weiteren baulichen oder investiven Aufwand betreiben zu müssen, ist für uns alle ein tolles Ergebnis und die Motivation, in dieser Richtung weiterzumachen.
Ich hoffe, dass dieses Projekt, das den Zugang zu Solarstrom für Mieter:innen so unkompliziert und kostengünstig gewährleistet, auch ein bisschen die Hemmschwelle generell für die Nutzung erneuerbarer Energien senkt. Wenn wir zukünftig durch bessere Speichermöglichkeiten und verbesserte gesetzliche Regelungen dann auch E-Ladesäulen in die Quartiere bringen können, steigt vielleicht auch die Bereitschaft der Mieter:innen, sich mit dem Thema E-Mobilität stärker zu beschäftigen. Hier liegt eine große Chance und eine wichtige Aufgabe für uns als Wohnungsunternehmen.
Wenn Sie auf das Jahr 2045 blicken: Woran würden Sie erkennen, dass die Wohnbau Dinslaken ihre Klimaverantwortung erfolgreich wahrgenommen hat?
Daran, dass wir sowohl zufriedene Mieter:innen als auch Gesellschafter haben und dass Klimaneutralität nicht mehr das bestimmende Thema ist, weil es zu einem selbstverständlichen, unverzichtbaren Teil unseres Alltags geworden ist.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Eggert-Höfel.