Die bbg Berliner Baugenossenschaft eG ist Berlins älteste noch existierende Wohnungsbaugenossenschaft. Am 16.05.1886 gründete Karl Schrader gemeinsam mit 27 Mitgliedern die Genossenschaft mit dem Ziel, gutes und gemeinschaftliches Wohnen neu zu definieren. Statt in der Hand eines Vermieters liegt seither die Verantwortung und Verwaltung in den Händen von Mitgliedern, Mitarbeitenden und Gremien. Gemeinsam teilen sie die Werte – Solidarität, Mut, Selbstbestimmtheit und Familiensinn.
Heute verwaltet die bbg rund 7.200 Mietwohnungen, die Mitgliederzahl ist auf über 12.000 angewachsen. Gemeinsam wächst sie weiter und rückt immer näher zusammen. Getreu dem genossenschaftlichen Gedanken gilt:
Alles, was wir tun, kommt allen zugute und fühlt sich gut an – wie ein Zuhause für viele.
Ein Bild, vielleicht sogar ein Vorbild für die gesamte Gesellschaft. Denn hier gilt: Der Mensch steht im Mittelpunkt.
Über die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt, die besonderen Herausforderungen einer Wohnungsbaugenossenschaft und die Verantwortung im Bereich Klimaschutz haben wir mit der kaufmännischen Vorständin der bbg, Kerstin Kirsch, gesprochen.
Die Wohnungswirtschaft steht massiv unter Druck, ihre Bestände zu dekarbonisieren. Welche Verantwortung tragen Sie persönlich in dieser Transformation?
140 Jahre bbg – das sind 140 Jahre Verantwortung für gutes und sicheres Wohnen für viele Generationen. Nachhaltiges Handeln ist fest in der DNA unserer Genossenschaft verankert. Dieses Erbe verpflichtet. Ich spüre diese Verantwortung sehr bewusst, nicht nur gegenüber Zahlen und Kennziffern, sondern auch gegenüber unseren Mitgliedern und ihrer Lebensrealität. Für mich heißt das: Lösungen finden, die die Zukunftsfähigkeit der bbg sichern, unsere Mitglieder zufriedenstellen und die Balance wahren zwischen Klimazielen, wirtschaftlicher Stabilität und sozialer Verantwortung. Denn Tradition bewahren heißt für mich, die Zukunft aktiv zu gestalten.
Wie bewerten Sie das Gebäudemodernisierungsgesetz? Welche Herausforderungen sehen Sie darin und wie gehen Sie damit um?
Ich bewerte ungern „halbfertige“ Dinge. Die Frage beantworte ich gern, wenn das Gesetz verabschiedet ist und eine konkrete Ableitung der Handlungsoptionen zulässt. Bei der bbg beschäftigen wir uns seit rund 20 Jahren intensiv mit energetischen Maßnahmen und deren Auswirkungen auf den CO₂-Bedarf. Dennoch liegen in der Dekarbonisierung weitere wesentliche Aufgaben vor uns.
Wo steht Ihr Unternehmen aktuell beim Thema CO₂-Reduktion?
Ein zentraler Punkt sind unsere Liegenschaften mit Gasetagenheizungen. Sie machen rund 40 % unseres Bestandes aus und stellen damit einen entscheidenden Hebel für unsere CO₂-Reduktion dar. Unser Maßnahmenplan für die kommenden 15 Jahre steht, die strategische Ausrichtung ist klar definiert: Die schrittweise Umstellung dieser Bestände wird bis 2035 erfolgen.
Wie begegnen Sie dem Spannungsfeld zwischen Klimazielen und bezahlbaren Mieten?
Das Spannungsfeld ist real und wir nehmen es sehr ernst. Für uns gilt: Klimaziele ja, aber nicht um jeden Preis. Als bbg tragen wir Verantwortung für faires Wohnen und ein gutes Miteinander mit unseren Gremien. Deshalb setzen wir auf sorgfältige Planung, gute Einbindung unserer Gremien, langfristige Innovationspfade mit dem Ziel, zu wirtschaftlich tragfähigen und akzeptierten Lösungen zu kommen. Gleichzeitig probieren wir bewusst neue Ansätze aus – gemeinsam mit innovativen Partnern.
Wenn Sie in zehn Jahren zurückblicken: Woran erkennen Sie, dass die Wohnungswirtschaft ihre Klimaverantwortung wirklich wahrgenommen hat?
Wir werden es an konkreten Ergebnissen in unserem Land erkennen, ich würde es ungern auf die Wohnungswirtschaft beschränken.
- Keine soziale Schieflage in unserem Land aufgrund des Klimawandels (Mieten, CO₂-Abgabe etc.).
- Technische Innovationen, die stabil und verlässlich im Einsatz sind: Deutschland hat technische Lösungen, die auch international anerkannt und gefragt sind.
- Gesetze und Normen sind verständlich, unterstützen die handelnden Unternehmen und sichern damit Zukunftsfähigkeit.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Kirsch.