Damit die Wärmewende im Bestand gelingt: Willkommen im Team, Christian Berger!
Wer Wärmepumpen in große Wohngebäude bringt, weiß: Das Gerät ist nur die halbe Miete. Die echte Herausforderung liegt im Zusammenspiel aus Kältetechnik und der Hydraulik vor Ort. Wenn diese beiden Welten nicht von Anfang an zusammengedacht werden, leidet die Effizienz des gesamten Systems. Im schlimmsten Fall bleibt es im Winter kalt.
Genau hierfür haben wir uns Verstärkung geholt und begrüßen unseren neuen Kollegen Christian Berger im Team. Er verstärkt seit einigen Monaten das Wärmeteam bei einhundert und bringt ein Know-how mit, das es in der Branche nur selten gibt. Als Mechatroniker für Kältetechnik und Meister im SHK Handwerk blickt er immer auf das Gesamtsystem aus Gerät, Hydraulik und Gebäudehülle.
Im Interview verrät Christian, an welchen Stellschrauben Wohnungsunternehmen drehen müssen, wo die häufigsten Denkfehler bei der Umrüstung liegen und wie er diese Perspektive bei einhundert für unsere Kunden einsetzt.
Kältetechnik-Experte und SHK-Meister: Deine Kombination aus Abschlüssen ist in Deutschland extrem selten. Warum passen genau diese zwei Welten so perfekt zur modernen Wärmepumpe?
Die beiden Gewerke greifen bei einer Wärmepumpe einfach direkt ineinander. Die Anlage sitzt schließlich exakt an der Schnittstelle dieser zwei Welten. Das eine ist der Kältekreis mit Verdichter, Kältemittel und Wärmetauschern, das ist reine Kältetechnik. Das andere ist das eigentliche Heizsystem im Haus mit Hydraulik, Heizflächen, Warmwasser und Gebäudehülle, also klassisches SHK-Handwerk. Wer beide Seiten auf dem Zettel hat, sieht die Wärmepumpe nicht als grauen Kasten, sondern als Teil von einem Gesamtsystem. Genau darauf kommt es im Bestand an. Wenn die Kiste nämlich mal nicht effizient läuft, liegt das in den seltensten Fällen an der Wärmepumpe selbst. Es liegt fast immer an der Hydraulik, den Heizflächen, falschen Regelparametern oder am Gebäude. Du musst das ganze System durchsteigen, nicht nur die Maschine.
Du hast bei Enpal das Geschäft für Einfamilienhäuser mit aufgebaut. Warum hast du dich entschieden, zu einhundert zu wechseln und deinen Schwerpunkt voll auf die Wohnungswirtschaft zu legen?
Im Einfamilienhausbereich habe ich gelernt, was alles möglich ist, wenn man Prozesse mal richtig durchstrukturiert und industrialisiert. Aber der wirklich große Hebel für die Wärmewende liegt nun mal in der Wohnungswirtschaft. Im Mehrfamilienhaus erreichst du mit einem einzigen Projekt gleich etliche Mietparteien und ordentlich Wohnfläche. Klar sind die technischen Nüsse, die man da knacken muss, um einiges größer, aber genau das macht die Sache für mich erst interessant. Bei einhundert kann ich die Erfahrung aus dem schnellen Prozessaufbau direkt mit einer echten technischen Herausforderung verbinden und Bestandsgebäude sauber dekarbonisieren. Für mich war das der einzig logische nächste Schritt.
Ein hartnäckiges Gerücht lautet: „Wärmepumpen im Bestand funktionieren nur mit Fußbodenheizung.“ Was sagst du als Fachmann dazu?
Ganz klar: Nein, das ist Quatsch. Entscheidend ist nämlich nicht die Fußbodenheizung selbst, sondern welche Vorlauftemperatur wir im Zusammenhang mit der Gebäudeheizlast wirklich brauchen. Wärmepumpen funktionieren auch mit ganz normalen Heizkörpern einwandfrei. Wichtig ist nur, dass Hydraulik, Heizflächen und die Regelung sauber aufeinander abgestimmt sind. Und dafür muss man meistens gar nicht alles rausreißen, oft reicht schon der gezielte Austausch einzelner Heizkörper.
Du sagst: „Die größte Herausforderung ist nicht das Gerät, sondern das Zusammenspiel aus Hydraulik, Gebäudehülle und Warmwasser.“ Wo wird bei der Umrüstung im Bestand noch zu oft am falschen Stellrad gedreht?
Es wird viel zu oft zuerst am Wärmeerzeuger selbst oder an der reinen Leistung geschraubt. Dabei liegt das Problem meistens ganz woanders: bei einer schlechten Hydraulik oder unnötigen Warmwasserverlusten. Die Reihenfolge muss einfach stimmen: Erst das Gebäude ordentlich analysieren, dann das Heizsystem optimieren und ganz am Ende die Wärmepumpe passend dimensionieren.
Bei einhundert denken wir Strom und Wärme zusammen. Welche Synergien ergeben sich für ein Wohnungsunternehmen, wenn eine Wärmepumpe direkt mit Mieterstrom vom eigenen Dach betrieben wird?
Da wächst zusammen, was zusammengehört: Strom und Wärme lassen sich endlich gemeinsam denken und optimieren. Der PV-Strom kann direkt für die Wärmeerzeugung genutzt werden und drückt dadurch den teuren Netzstrombezug nach unten. Für Wohnungsunternehmen entsteht so ein richtig integriertes Energiesystem aus Wärmepumpe, PV, Mieterstrom und bei Bedarf einem Speicher. Damit senkt man am Ende nicht nur die CO₂-Emissionen, sondern hält auch die Energiekosten auf lange Sicht im Zaum.
Viele Wohnungsunternehmen zögern noch mit dem Umbau. Warum ist Abwarten beim Thema Wärmepumpe strategisch und finanziell oft die teurere Option?
Ganz einfach: Die technische Umstellung wird schlichtweg nicht einfacher, wenn man sie vor sich her schiebt. Ganz im Gegenteil, denn Planungs-, Bau- und Energiekosten steigen potenziell weiter, während Förderbedingungen und gesetzliche Vorgaben sich laufend verändern können. Wer wartet, verschenkt wertvolle Zeit für eine schrittweise Sanierung und Optimierung. Wer dagegen früh anpackt, kann seine Projekte viel besser priorisieren und in Ruhe eigene Erfahrungen aufbauen.
Danke für das Gespräch, Christian.